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Theorie-Praxis Verknüpfung in der Weiterbildung

PraxisanleiterInnen in der Pflege

Seit März 2019 bietet die Altenpflegeschule der APH Mannheim GmbH die Weiterbildung PraxisanleiterIn in der Pflege an. Die Weiterbildung entspricht den neuen Vorgaben des Pflegeberufegesetzes und umfasst 300 Stunden. Den Teilnehmerinnen werden Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, die sie als zukünftige Praxisanleiterinnen in der generalistischen Ausbildung benötigen: Sie werden befähigt, Lehr-, Lern- und Beratungsprozesse sowie die Beziehung zu den Auszubildenden, aber auch den pflegebedürftigen Personen, zu gestalten. Dabei werden sie in die Lage versetzt, pflegewissenschaftliche Erkenntnisse, qualitätssichernde Maßnahmen sowie rechtliche und ethische Prinzipien zu berücksichtigen und so auch einen Beitrag zur Weiterentwicklung der pflegerischen Arbeit zu leisten. Darüber hinaus lernen die Teilnehmerinnen, die Arbeitssituation im Praxisfeld und die eigenen Rolle als Praxisanleiterin zu reflektieren und Reflexionsprozesse bei den Auszubildenden anzustoßen. Sie wurden zudem umfassend auf die neue Aufgabe als Fachprüferinnen im Rahmen der praktischen Abschlussprüfungen vorbereitet.

Um Theorie und Praxis besser zu verknüpfen, konnten die Weiterbildungsteilnehmerinnen sich mit den Altenpflegeauszubildenden des ersten Ausbildungsjahrs austauschen. In diesem Rahmen wurden Erfahrungen, Wünsche und Ängste im Zusammenhang mit der praktischen Ausbildung thematisiert. Dabei wurde klar, dass für die angehenden Praxisanleiterinnen und die Auszubildenden die gleichen Themen zentral sind: 

Der Personal- und Zeitmangel führt dazu, dass Praxisanleitungen zu selten stattfinden können, was zu beiderseitiger Frustration führt. Sowohl Auszubildende als auch Praxisanleitende fühlen sich im Alltag oft auf sich alleine gestellt. Der Grund dafür wird häufig darin gesehen, dass der Aufwand für die Ausbildung in den Teams nicht anerkannt und wertgeschätzt wird. Alle wünschen sich, dass das Führungspersonal und die Pflegenden mehr Verständnis und Anerkennung für die wichtige Arbeit der PraxisanleiterInnen entgegenbringen. Die Auszubildenden müssen als Lernende in der Praxis und nicht als Mitarbeitende wahrgenommen werden. Die erforderlichen zeitlichen, personellen und materiellen Ressourcen für die Ausbildung müssen in den Betrieben vorhanden sein, damit die praktische Ausbildung nicht in Frustration mündet.

Der Austausch mit den Auszubildenden wurde auch zum Anlass genommen, die aktuellen Lernbedarfe zu ermitteln. Die Weiterbildungsteilnehmerinnen haben mehrere Lernstationen konzipiert und den Auszubildenden angeboten. Die Auszubildenden konnten so ihre bereits erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten unter Anleitung der angehenden Praxisanleiterinnen zu vertiefen. Sowohl die Auszubildenden als auch die angehenden Praxisanleiterinnen haben von dem Projekt profitiert. Die Weiterbildungsteilnehmerinnen konnten sich besser in die Situation der Auszubildenden versetzen und somit mehr Verständnis aufbringen. Durch das Konzipieren, Erproben und Reflektieren von Lernstationen für die Gruppenanleitungen konnten sie die theoretisch vermittelten Inhalte festigen und sich danach gut auf ihre zukünftige Aufgabe vorbereitet fühlen. Die Auszubildenden haben durch den Austausch ebenfalls ein besseres Verständnis für die Praxisanleiterinnen bekommen und konnten ihre pflegefachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten unter Anleitung und dem starken Praxisbezug festigen.

Das Projekt war für alle Beteiligten ein voller Erfolg. Es zeigt sich, dass die Situation der praktischen Ausbildung verbessert werden muss. Die Auszubildenden müssen zukünftig in der Praxis primär als Lernende wahrgenommen werden und eine angemessene Praxisanleitung durch berufspädagogisch qualifiziertes Personal erhalten. Die Vorgaben des Pflegeberufegesetzes zur Qualifikation und Umsetzung der Praxisanleitung sowie die Vorgaben zur Anrechnung der Auszubildenden auf den Stellenplan sind erste Schritte zu Verbesserung der praktischen Ausbildung. Die Praxisanleitung muss demnach zukünftig mindestens 10 Prozent des Praxiseinsatzes umfassen und die Auszubildenden in der Altenpflege werden nur mit ca. 10 Prozent auf den Stellenschlüssel angerechnet, was eine Verbesserung zu den bisherigen Vorgaben ist. Nun sind die Pflegeeinrichtungen und ambulanten Dienste an der Reihe, die Vorgaben in der Praxis umzusetzen und eine neue Ausbildungskultur zu etablieren. Pflegeeinrichtungen, die jetzt schon in die Weiterentwicklung der praktischen Ausbildung investieren, können zukünftig konkurrenzfähig bleiben.

Anastasia Schweibert
Dozentin in der Weiterbildung PraxisanleiterIn in der
Pflege und zentrale Praxisanleiterin
Ina Wegner
Schulleiterin

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